Die andere Curie
Curie? Hieß die nicht Marie? Richtig, so hieß die Mutter, die 2-fache Nobelpreisträgerin, einen in Physik, einen in Chemie. Der Vater hieß Pierre, Nobelpreis in Physik. Irène Joliot-Curie hieß ihre ältere Schwester, ein Nobelpreis in Chemie. Und was macht man in einer solchen Familie, wenn man so gar keinen Faible für Naturwissenschaften hat?
Nun, leicht war es sicher nicht für Ève. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, war sie 10 und wurde von Freunden der Familie betreut, während Marie Spenden auftrieb und private PKWs in mobile Röntgenstationen umwandelt. Sie fuhr von Feldlazarett zu Feldlazarett und half die Verwundungen genau zu lokalisieren, damit nicht ganze Gliedmassen amputiert werden mussten, wenn wenige Schnitte das Leben retten konnten. Die 17-jähre Irène wollte ebenfalls helfen und nachdem Marie sich versichert hat, dass Irène mit den Anblicken umgehen kann, bildete sie ihre Tochter aus, so dass sie beide vielen tausenden Soldaten das Leben retten konnten.
Trotz ihrer angeschlagen Gesundheit reist Maries nach Amerika, um dort ein Geschenke entgegen zu nehmen: ein Gramm Radium. Eine amerikanische Journalistin hat es geschafft, das zu arrangieren. Irène und Ève begleiten sie auf der Reise und sowohl die Reise, als auch die Macht des Journalismus und die Amerikaner hinterlassen bei Ève einen bleibenden Eindruck.
Das Ève nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten würde, war nach dem Krieg recht schnell klar. Nach dem Schulabschluss plante sie Pianistin zu werden. Doch trotz ausdauerndem üben, was Marie und Irène bisweilen in den Wahnsinn trieb, wurde sie zwar eine gute Klavierspielerin, aber keine außergewöhnliche. Doch was tun, sollte sie das Klavierspielen aufgeben? Ève macht zunächst beruflich so weiter und betreut oft ihre immer kranker werdene Mutter. Nach derem Tod kommt ein unerwartetes Angebot von Missy Meloney: Schreib schnell und exklusiv eine Biographie über Deine Mutter.
Ève geht den gesamten Nachlass ihrer Eltern durch, bittet Irène immer wieder um HIlfe, wenn es um die wissenschaftliche Arbeiter ihrer Mutter geht und so kommt 3 Jahre nach ihrem Tod, 1937, die Biographie Madame Curie heraus. Sie geht auf Reisen um Ihr Buch vorzustellen, dass gerade in Amerika sehr viel Anklang findet. So nimmt die Idee langsam Gestalt an, Journalistin zu werden.
Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs begibt sie sich nach London um das Freie Frankreich und Charles de Gaulle zu unterstützen. Dieser schickt sie wieder nach Amerika um dort Werbung für die Sache des Freien Frankreichs zu machen, insbesondere auch, weil sie auf den ersten beiden Reisen jeweils von Präsident Roosevelt und seiner Frau Eleonor empfangen wurde. Ève tut ihr bestes, doch erst mit dem Angriff auf Pearl Harbor ändert sich die Einstellung des amerikanischen Präsidenten - und Èves Tätigkeit. Auf Grund ihrer Kontakte wird Ève Kriegsreporterin für das amerikanische Herald Tribune Syndicate und die britischen Allied Newspapers. Sie soll jedoch nicht nur Artikel schreiben, sondern auch Analysen für Roosevelt, de Gaulle und Churchill verfassen.
So reist sie durch Afrika, Vorderasien, den Südosten Asiens, Russland und China und warnt z.B. davor Burma fallen zu lassen, da der Verlust der Rohstoffreserven des Landes (Silber, Zink, Blei, Zinn, Gold, Kupfer, Rubine, Wolfram, Wismut, Schwefel, Erdöl) nicht so leicht zu ersetzen wäre, oder das man nicht darauf setzen darf, dass die Inder ihre Kolonialmacht unterstützen werden. Sie trifft auf diesen Reisen viele Leute, darunter auch Tschu En Lai und Mahatma Gandhi.
1942 kehrt sie nach Amerika zurück um persönlich dem Präsidentenehepaar zu berichten und erfährt ihrerseits von der Lage in Frankreich. Sie will mehr tun und schließt sich der Freiwilligenarmee des Freien Frankreichs an. Sie wird ausgebildet, aber anstatt bei der Befreiung Frankreichs zu helfen, wie sie gehofft hatte, schickt de Gaulle sie als Verbindungsoffizier nach Algier. Dann wird sie Verbindungsoffizierin bei Italienfeldzug. Nach einer Verletzung wird sie General Diego Brosset als Verbindungsoffizierin zugeteilt und wirkt so bei der Befreiung der Provence mit. Als sie einige Monate später zum Generalsstab nach Paris abgezogen wird, schreib Brosset über sie: "Ich schätze sie sehr und weiß, was ich an ihr hatte, denn es ist nicht leicht, Offiziere zu finden, die gleichzeitig intelligent, ruhig, methodisch und gewissenhaft sind.
Nach dem Krieg arbeitet Ève zunächst weiter als Journalistin, strebt aber schnell eine Anstellung bei der NATO an und wird schließlich Sonderberaterin des NATO-Generalsekretärs. Während ihr strategischer Sachverstand damals gewürdigt wurde, erhält sie heutzutage keine Anerkennung mehr für ihre Leistung. Über 70 Jahre später können sich die Männer offenbar nicht vorstellen, dass eine Frau einen nennenswerten Beitrag im Kalten Krieg geleistet hat.
Bei einem Abendessen lernt sie den amerikanischen Diplomaten Henry Labouisse kennen. Sie heiraten 3 Jahre später und nicht zuletzt aufgrund Èves Kontakten wird Henry 1962 zum Botschafter in Griechenland ernannt. Diese steller hat er inne, bis er 1965 die Leitung der UNICEF übernimmt. In dieser Funktion nehmen Ève und Henry auch 1965 den Friedensnobelpreis im Namen von UNICEF entgegen.
1995 erhält Irènes Sohn Pierre Joliot-Curie einen Anruf aus dem Élysée-Palast. Der Präsident möchte am nächsten Tag bekannt geben, dass man den Leichnam Marie Curies ins Pantheon überführt, welches den großen Männern Frankreichs als letzte Ruhestätte vorbehalten ist. Das diese nicht direkt zusagt, sondern sich zunächst mit Ève und seiner Schwester abstimmen möchte, stößt im Élysée-Palast auf Unverständnis. Aus Sicht des Élysée-Palast hat man sich doch direkt an das Familienoberhaupt gewandt! Die Familie stimmt unter der Bedingung zu, dass Marie nicht von Pierre getrennt wird.
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